Die Maske

am

„Die Maske die du trägst ist wirklich fast perfekt. Fast.“ Die tiefe Stimme des Bärtigen flüstert. 

„So bin ich eben“, sagt sie, wendet dabei den Blick nicht vom Meer ab.

„Du musst nicht so sein, das weißt du. Du bist wunderschön auch unter dieser Maske.“

Sie muss lachen. Kommt nicht aus ihrer Haut.

„Wunderschön“, lacht sie. „Schnulziger geht es nicht, oder?“

Er schweigt. Sie beisst sich auf die Lippen, kneift ein Auge zu um die Pier im Blick zu behalten. Sachte senkt sich das Boot auf und nieder. Die Luft beißt frisch, sie nimmt einen tiefen Atemzug. 

„Sorry.“

„Schon okay“, sagt er. „Aber ich mein das so. Du bist was besonderes. Scheiße, ich weiß auch nicht wie ich das beschreiben soll.“
„Brauchst du gar nicht versuchen. Daran haben sich schon so viele die Zähne ausgebissen. Ich bin müde.“ Sie dreht sich zu ihm. Versucht ihm direkt in die Augen zu sehen, muss weggucken. Der Boden unter ihren Füßen fängt an sich zu drehen.

„What if I’m wrong, what if I’ve lied. What if I’ve dragged you here to my own dark night.“

„Weißt du was, das kotzt mich an wenn du so redest“, sagt er deutlich lauter. Sie blickt sich um. Sie sind alleine. 

„Du hast keine Ahnung“, fährt er zornig fort. „Machst du das immer so? Ne Mauer bauen, diesen arroganten Blick aufsetzen…“, er bricht ab. Sie schafft es seine Augen zu fixieren. So stehen sie eine Weile. Wellen plätschern leise an die Bordwand. Es riecht nach Morgen.

„Ich glaube, du bist es, der keine Ahnung hat“, flüstert sie. 

Seine Hand greift nach ihrem Gesicht. Sie schiebt sie mit ihrer eigenen weg, hält sie dann fest. Sie mag seine raue Haut, die Risse zwischen den Fingern. Die Spuren.

„Ich glaube das ist keine gute Idee“, sagt sie dann.  

„Es tut mir leid“, flüstert er. Dann legt er den Kopf in den Nacken, starrt eine Weile ins Nichts und sagt: „Ich will nichts tun, was du nicht willst. Das hättest du nicht verdient. Ich respektiere jede Entscheidung, die du für dich triffst. Aber du musst sie selber treffen.“

„Ten thousand cars, ten thousand trains. There are ten thousand roads to run away.“

Der Bärtige nimmt sie in den Arm, umschlingt sie regelrecht. Sie drückt ihr Gesicht fest an seine Brust. Damit ihre Tränen in seinem Shirt verschwinden.

„Aber ich hab Angst, dass es die falsche Entscheidung ist“, schluchzt sie kaum hörbar. Er drückt sie nur noch fester an sich und sagt nichts.

Wieder sind nur die Wellen zu hören. Sie wünscht sich ein Zeichen.

Er ist es, der dann tief Luft holt und ihr die Stirn küsst. Er nimmt ihre Hände in seine und schaut ihr direkt in die Augen. So steht er vor ihr. Groß und stark. Seine Schultern fast doppelt so breit wie ihre. Sie müsste auf Zehenspitzen stehen, nur um ihren Kopf an seine Schulter legen zu können. Nichts kann diesen Mann erschüttern, denkt sie. Sein Bart zittert leicht. 

„Wofür du dich entscheidest ist egal. Weil es uns beide auf lange Sicht nur glücklich machen wird.“

Ich kann ihn erschüttern, denkt sie dann. 

„And I have been wrong, I have been right. I have been both these things all in the same night. So if I be wrong, if I be right, let me here, with you, tonight.“

 

 

Kursiv: „If I be wrong“ – von WOLF LARSEN

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