Abwarten

am

„Du bist schon ne 1A Braut“, liest sie noch, bevor ihr die Augen zufallen.

Ihre Träume sind wild. Sie steht plötzlich in einem Heißluftballon. Er steigt immer schneller nach oben. Der Wind bläst ihr kalt um die Ohren. Die Erde unter ihr wird immer kleiner. Langsam beschleicht sie das Gefühl, dass etwas nicht stimmt. Die Geschwindigkeit nimmt immer mehr zu. Der Korb wirkt wackelig. Und dann fällt sie einfach heraus.

Am nächsten Morgen fühlt sie sich wie gerädert. Kommt gar nicht richtig aus dem Bett. Eben war noch alles Glitzer und Konfetti, plötzlich schleichen kleine Schatten um die herum und eine große, dicke Wolke zieht auf.

Ein Sturm kündigt sich an.

Sie kann kaum die Augen richtig auf halten. Warum verdammt hatte sie die halbe Nacht mit dem Kapitän geschrieben? Wie war das eigentlich passiert? Sie weiß es nicht mehr so genau. Schlechtes Gewissen.

Der Wikinger hatte sich seit ein paar Tagen nicht mehr gemeldet. Sie hatte sich genauso wenig bei ihm gemeldet. Die Lust darauf war einfach so vergangen.

Der Tag endet nach einer Ewigkeit. Was für andere der schönste Tag gewesen sein kann war für sie ein langweiliges Stück Zeit, gedehnt wie Kaugummi. Sie versucht die Wolke weg zu pusten, doch die antwortet mit lachendem Donnergrollen.

„Kommst du vorbei? Ich hab gekocht, es ist genug für uns beide da“, schreibt der Wikinger plötzlich.

„Ich kann nicht mehr“, denkt sie.

„Ich kann nicht“, antwortet sie ihm.

„I close my eyes to conjure up something. But it’s just a faint taste in my mouth“

Am nächsten Tag zählt sie die kleinen Lichtpunkte, die über ihr an der Decke tanzen. Den Rolladen hat sie schon den ganzen Tag nicht hoch gezogen.

Ab und zu huscht ein Schatten durch das Bild. Draußen laufen Menschen vorbei, fahren Autos. Da draußen geht es weiter. Ihr eigenes kleines Schattenspiel. Projektion der Realität.

„Nicht schon wieder“, denkt sie. So lange, bis sie es endlich schafft aufzustehen. Kaltes Wasser läuft ihr in der Dusche den Rücken herunter.

Sie denkt wieder an die Worte der Wissende. „Ich bin mir selbst genug“

An die Worte der Coolen. „So geht es nicht weiter“

„Nimm es wie es ist“, denkt sie selber. „Wie es weitergeht muss du jetzt nicht entscheiden. Das passiert sowieso von ganz alleine.“

Sie wickelt sich in das Handtuch. Eine kleine Pfütze bildet sich unter ihr auf den kalten Fliesen. Sie muss lächeln.

„Das ist alles was bleibt. Wie immer“, dann rubbelt sie die Haut trocken, bis sie rot ist.

Sie ruft die Ehrliche an.

„Hey, wo warst du die ganze Zeit?“

„Gewitterstimmung“, antwortet sie.

„Was ist passiert?“, fragt die Ehrliche.

„Nichts. Ich kann sie alle nicht mehr sehen. Ich hab ein schlechtes Gewissen. Aber ich will nicht mehr.“

„Zu viel des Guten?“

„Vielleicht. Ich meine, es war ja wirklich alles gut. Sehr gut. Jetzt könnte es noch immer alles gut sein. Aber dazu müsste ich Theater spielen. Scheiße“, sie muss schlucken. Ausgesprochen drückt es noch viel mehr auf Herz und Gemüt.

„Das ging so schnell“, sagt sie dann. „Viel zu schnell“

„Vielleicht kommt dir das jetzt nur so vor. Warte einfach ab was morgen, was übermorgen ist“, versucht die Ehrliche sie zu beruhigen. „Vielleicht ist es auch einfach Schicksal?“ sagt die Ehrliche dann, mit so einem Unterton, den sie nicht deuten kann.

„Ich glaube ich will gar nicht wissen was du damit meinst“, lacht sie.

„Dann warten wir einfach ab was passiert. So oder so, es wird schon.“

 

 

Kursiv: „Coming down“ von DUM DUM GIRLS

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s