Dreisamkeit

am

„Ich muss raus, mein Kreislauf“, flüstert die Ehrliche. „Geht mir genauso, warte.“ Sie will sich ebenfalls losreißen, wird aber noch einmal zurückgehalten. „Oh Gott“, denkt sie noch. Von der Kopfhaut bis in die Fußspitzen fängt ihr Körper an zu kribbeln. Sie hat ihre Finger kaum noch unter Kontrolle. Der Gefundene presst seine Lippen wieder auf ihre. Er schmeckt gut. Sie lässt ihre Hand noch ein letztes Mal über seinen feuchten Körper wandern. Dann kann sie wirklich nicht mehr. „Sorry“ und sie verschwindet.

„Geht es langsam wieder?“, fragt sie die Ehrliche. Eingewickelt in Bademäntel und Handtücher liegen sie nebeneinander auf Sonnenliegen. Die Sonne blendet stark. Sie kann kaum die Augen offen halten. „Ja“, lacht die Ehrliche. „Mein Gott, alles hat gekribbelt eben. Eine Minute länger und …“

Sie kuscheln sich noch ein bisschen tiefer in die Bademäntel. Wie ein Film tauchen die eben erlebten Momente wieder hinter ihren Augenlidern auf.
„Ist das gerade wirklich passiert?“, fragt die Ehrliche.

„Ich war dabei. Wir können ja nicht beide das Gleiche geträumt haben.“

Sie denkt an die Hände. Feuchte Hände überall auf ihrem Körper. Salziger Schweiß. Der Schauer, der trotz der Hitze durch ihren Körper zuckte.

„Alles okay mit euch?“, fragt plötzlich von hinten die Leuchtende. „Ihr habt echt rote Gesichter.“

Beide müssen kichern. Fast prusten.

„Ich glaube, ihr wart viel zu lange in der Sauna!“, beschließt die Leuchtende dann kopfschüttelnd und legt sich zu den beiden in die Mitte. „Oder hab ich was verpasst?“

„Du kennst uns doch …“, fängt sie an. „Aber sie hat angefangen“ und zeigt dabei auf die Ehrliche.

„Wenn man es ganz genau nimmt, dann hast du ja angefangen“, lacht diese. „Aber ganz egal, wer angefangen hat, eine von uns beiden hätte es getan.“

„Jetzt will ich aber wissen, was da los war“, schimpft die Leuchtende scherzhaft.

„Weißt du noch, der Typ, der heute morgen mit uns in der Sauna saß?“, fängt sie langsam an.
„Was habt ihr getan?!“, dabei setzt sich die Leuchtende ruckartig auf.

„Ach. Der war eben wieder da“, wirft die Ehrliche ein.

„Ja und na ja, jedenfalls bevor ich irgendwie reagieren konnte, hat sie auch schon vor ihm gekniet.“

„Du hast dir einfach zu viel Zeit gelassen“, lacht die Ehrliche und macht ein unschuldiges Gesicht dabei.

„Ich bin dir sehr dankbar, dass du ihn zu mir rübergebracht hast. Mein Hirn war in dem Moment einfach schon zu sehr gekocht …“ und sie grinst die Ehrliche bei den Worten schelmisch an.

„Ich glaub es nicht.“ Die Leuchtende ist ein bisschen erschrocken. Schaut von einem rotbäckigen und zufrieden grinsenden Gesicht zum anderen. Dann muss auch sie schmunzeln. „Man kann euch keine fünf Minuten alleine lassen, oder?!“

„Ich wünschte irgendwie gerade, es wären nur fünf Minuten gewesen“, stöhnt sie und legt sich wieder zurück auf die Liege, um die Augen zu schließen.

„Nie wieder so lange in die Sauna!“, stöhnt dann auch die Ehrliche und dreht sich zur Seite.

„Nie wieder was anderes in der Sauna machen als still dazusitzen!“, ergänzt sie.

„Ich weiß nicht, ob ich so was könnte“, bemerkt die Leuchtende dann nachdenklich. Sofort drehen sich die beiden anderen wieder zu ihr.

„Musst du doch auch gar nicht“, sagt sie dann.

„Ich glaube, ich bin da nicht so unerschrocken wie ihr“, setzt die Leuchtende an, wird aber gleich von der Ehrlichen unterbrochen.

„Das hat damit doch gar nichts zu tun. Entweder hat man Bock drauf oder eben nicht. Ich glaube nicht, dass man so was üben kann.“

„Sehe ich auch so. Hauptsache alle sind glücklich und zufrieden“, ergänzt sie.

„Da habt ihr auch wieder recht.“

Damit war das Thema, das eigentlich keins sein sollte, ganz schnell wieder vom Tisch.

Die Leuchtende kuschelt sich jetzt auch in ihr Handtuch und hält das Gesicht in die Sonne. Dann blinzelt sie mit einem Auge an der Ehrlichen vorbei.

„I could be your sister. I could be your mother. I could be your neighbor. I could be your lover.“

„Mädels, also wenn wir von dem Gefundenen reden – der sitzt jetzt schräg hinter uns am Tisch und schaut rüber.“

 

 

Kursiv: „Can´t pin me down“ von MARINA AND THE DIAMONDS

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