Konfetti

Sie fischt die Konfettischnipsel aus ihrem Glas. Die Seele legt ihren Arm um sie. „Wie schön, dass wir uns endlich mal wieder sehen“, flüstert sie ihr dabei ins Ohr. „Ja“, antwortet sie, „endlich!“ Die Ewige springt an ihnen vorbei. In der Küche schenkt sich die Wissende noch mal ein. Eine große Versammlung. Herzensmenschen. Menschen, die das Herz schlagen lassen. Und Menschen, die es hämmern lassen. Kurzes Rauschen in ihren Ohren. Blick schweift suchend umher, bis sie ihn wieder fokussiert hat. Der Wikinger steht ins Gespräch vertieft da. Locker an die Wand gelehnt. Charmant. Ein vorzeigbarer Blickfang. Das ist ihr nie so aufgefallen. Als wüsste er, dass er beobachtet wird, dreht er den Kopf. Schaut ihr direkt in die Augen. Sie dreht sich wieder um. Noch ist es nicht so weit.

Ein lauter Knall lässt sie kurz zusammenzucken. Reißt sie aus ihrer Fantasie. Und wieder regnet es glitzernde Schnipsel herab. Die Herzensmenschen lassen die Gläser klirren. Der Bass drückt die Mundwinkel noch ein Stück weiter nach oben. Das Fenster weit offen. Lachen verteilt sich durch die Nacht.

Sie bahnt sich ihren Weg zu ihm. Will nicht stören. Nur kurz. Ganz beiläufig. Bevor es jemand merkt, ist es schon vorbei. „Bleibst du?“, haucht sie ihm auf Zehenspitzen stehend über die Schulter. „Ja“, raunt er zurück und wendet sich gleich wieder von ihr ab, dem Gespräch zu.

Spielchen. Blicke. Sie will es so. Hat ihn einfach eingeladen. Unsicher, ob er überhaupt kommen würde. Doch plötzlich stand er vor der Tür. Jeans, Pulli. Ein richtiges Outfit. Sie musste trotzdem schmunzeln. Denn nicht das legerste Oberteil der Welt konnte die Wucht kaschieren, die sich darunter verbarg. Noch war sie der Boss. Sie schaut wieder zu ihm rüber. Er schlägt sich gut, denkt sie für sich.

Sie treffen sich kurz im Flur. Er drückt sie an die Wand. Packt ihr Gesicht und zieht es an seins. Sein heißer Atem dringt zusammen mit seiner Zunge in ihren Mund. Er wird langsam schwach. Sie schiebt ihn beiseite. Ein koketter Blick. Sie geht.

Irgendwann stehen sie dann doch beisammen. Wie zwei alte Freunde. Zwei erfolgreiche Schauspieler. „Woher kennt ihr euch eigentlich?“ Die Frage des Abends. Und wieder seine souveräne Antwort. Er verrät sie nicht. „Ihr würdet ein schönes Paar abgeben.“ Sie blickt zu ihm hoch. Da zeichnet sich ein Grinsen unter seinem Bart ab. Er überlässt es ihr, etwas zu erwidern. „Ja, wir ergänzen uns ganz gut“, sagt sie zwinkernd. Er lacht laut und einnehmend. Ein Lachen, das keinen Zweifel an ihrer Antwort lässt.

Viele Stunden später schließt sie die Tür. Das Licht im Flur ist der einzige Schein, der durch die nun fast leere Wohnung dringt. Die Sonnenstrahlen draußen werden von den Rollläden ausgesperrt. Sie geht in ihr Schlafzimmer. Hört ihn plötzlich hinter sich. Weiß, dass die Rollen jetzt getauscht sind.

„Because I feel it all fading and paling. And I´m begging, to drag you down with me, to kick the last nail in.“

Da packt seine Hand ihren Nacken. Die andere greift um ihre Hüfte. So trägt er sie aufs Bett. Seine Knie halten sie davon ab, sich zu bewegen, während er sie schnell und geübt auszieht. Sein Oberarm drückt ihren Körper noch fester nach unten, während er mit einem schnellen Ruck ihre Unterwäsche zerreißt. Sie umklammert seine Handgelenke, als er sie an den Oberschenkeln auf sich zieht und in sie eindringt. Sie erhascht noch einen kurzen Blick auf seine breite Brust, dann drückt er seine harte Schulter in ihr Gesicht. Stützt sich mit der Hand auf ihrem Hals ab. Heiß und schwer liegt er auf ihr. Hart und hemmungslos nimmt er sich, was er will. Gibt ihr, was sie will.

Haut brennt, Haut schmilzt.

Bis sie nicht mehr weiß, welcher Teil seines Körpers auf und in ihr ist.

Rhythmisch drängt er sie immer tiefer in den Nebel, der sich langsam vor ihren Augen verdichtet. Sein Bart kratzt an ihrer Wange. Ihr Kiefer knackt. Rau strömt ein dünner Luftzug durch ihre Atemwege. Sie muss nichts sagen, muss nichts machen. Er weiß genau, wie weit er gehen darf. Muss.

Plötzlich fühlt sie einen warmen Schauer durch ihre Nasenflügel strömen. Den vertrauten Geschmack von Eisen auf der Zunge, kann sie sich ein Grinsen nicht verkneifen.

Dann nimmt er ihr die letzte Luft.

Sie lässt los. Lässt sich fortreißen. Mal sehen, wie weit sie kommt. Sie vertraut ihm. Alles wird klar. Warm.

Schließlich suchen seine Lippen ihre. Holen sie zurück. Seine Hand an ihrer Schläfe.

„Alles okay?“

„Nicht aufhören.“

Vorsichtig setzt er zum Endspurt an. Sanft schiebt er sie über die Schwelle, die ihren Körper beben lässt. Er hält sie fest. Hält sie bei sich.

Ihre Lungen füllen sich jetzt wieder vollständig mit Luft. Sie kontrolliert ihren Atem. Sie kontrolliert ihren Körper. Und dann kontrolliert sie ihn.

 

 

Kursiv: „Fascination Street“ von THE CURE

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