Frühlingserwachen

Es macht PENG und der Sektkorken fliegt über den Rhododendron-Busch. „Huuiiii, da fliegt er“, lacht sie. „Wir stoßen an auf das Paradies und darauf, dass wir uns hier so richtig die Hände schmutzig machen können!“ Die Ewige und die Wissende schmunzeln. Klirrendes Kristall. Die Sonnenstrahlen brechen sich glitzernd darin. Irgendwo zwitschert eine kleine Amsel. Die Katze schnurrt den dreien um die Beine.

Sie sitzen auf der Bank. Lassen ihre Gesichter von der Sonne kitzeln.

„Ich habe einen Ausblick, den man nie wieder vergisst. So wunderschön, dafür reichen Worte nicht.“

„Da wo wir jetzt sitzen, da kommt im Sommer dann der große Gasgrill hin. Dann wird nur noch gegrillt“, schwärmt die Wissende.

Ein Marienkäfer krabbelt über den Deckel vom Kartoffelsalat.

„Ich sitze hier und atme leise, um all das nicht zu stören.“

„Was ist jetzt eigentlich aus dem Kapitän geworden?“, fragt die Wissende.

„Ich habe es endlich geschafft, die Tür zu schließen. Aber du weißt ja, wie das ist, wenn irgendwo eine Tür zugeht …“

„Ja! Aber das Fenster, was da aufging, das ist ja nur auf Kipp“, wirft die Ewige ein.

„Ja“, sagt sie, „nur auf Kipp. Es soll auch gar nicht weiter aufgehen.“

„Ich bin im großen Grün versunken. Hier, um einfach nur zu sein.“

„Ich habe so eine Ahnung“, sagt die Wissende. „Aber ich habe seinen Namen vergessen …“

„Ja, genau der“, antwortet sie. „Der Starke ist wieder aufgetaucht. Und er wird in ein paar Wochen hier sein.“
„Nein! Oh Gott. Bist du dir sicher?“

„Ziemlich. Ich bin mittlerweile ziemlich aufgeräumt, was das Thema angeht, denke ich.“

„Ich stelle, was ich fühle, über alles, was ich weiß. Ich bin in mir daheim, hier schließt sich der Kreis.“

„Hast du ne Isomatte, die du mir leihen kannst?“, fragt die Ewige dann die Wissende. „Also ich schlafe nur noch auf dem Luftbett, auch auf Festivals. Den Luxus gönne ich mir“, antwortet diese.

Die erste Biene summt leise. Sie ist noch nicht zu sehen.

„Was mache ich nur, damit die Fruchtfliegen dieses Jahr nicht wieder meine Kirschen zerstören? Die kriechen schon in die noch gelben Früchte“, fragt sich die Wissende laut.

„Du könntest die gelben Dinger dann einfach blau anpinseln. Wir helfen dir dabei.“ Die Gläser klirren wieder. Die Kohlensäure prickelt in der Nase.

„Wenn keiner von Milliarden Steinen einem anderen gleicht, warum habe ich dann Zweifel an meiner Einzigartigkeit?“

„Du bist sicher, dass der Starke dir nichts mehr anhaben kann?“, fragt die Ewige.

„Wir werden es sehen. Wir werden sehen, wer von uns mittlerweile der Stärkere geworden ist.“

„Hier draußen finde ich mehr, als ich je geben kann. Ich bin so am Leben, mir macht selbst Sterben keine Angst.“

„Lasst uns jetzt die Beete umgraben“, sagt die Wissende. Sie trinken ihre Gläser leer. Spaten. Gummistiefel. Schubkarre. Es geht immer weiter.

„Hier, um einfach nur zu sein.“

 

 

Kursiv: „Sein“ von ANDREAS BOURANI

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