5. Akt

„Wie weit ist es noch?“, fragt sie. Die Antwort ist unverständlich, der Druck am Arm dafür intensiver. Stumm blickt sie zu der Ewigen rüber. Der Blick sagt, sie denken ähnlich, und so setzen sie ihren Weg weiter fort. Eingehakt zwischen ihnen eine Frau, eine Frau die sich in diesem Moment vielem bewusst sein wird, aber nichts mehr daran ändern kann. Die Ewige und sie tragen die Frau zu einer Tür. „12. Stock“ können sie dem Chaos, das den zahnlosen Mund verlässt, entnehmen. Die Wege trennen sich. Die beiden übrig gebliebenen schweigen, dann reden sie. Sind sich einig. Sind aufgewühlt. Wollen zur Ruhe kommen.

Schweiß im Gesicht und eine Hand in den Haaren. Zuckende Körper. Vibrieren in der Brust und der Boden scheint zu fliegen. Sie bewegt sich. Schnell und rhythmisch. Das Grinsen wird ihr gerade niemand aus dem Gesicht nehmen können. Vor ihr, hinter ihr geht es den Menschen genauso. Ein Raum voller Liebe. Voller glücklicher Emotionen. Die schlechten werden automatisch umgewandelt durch das, was da in der Luft liegt. Ein Flimmern, ein Funkeln. Der Höhepunkt ist fast erreicht, es fehlt nur noch ein kleines Stück. Die Brücke bis dahin ist geschmückt mit Blumen und Konfetti. Leuchtende Sterne tanzen um sie herum. Einer heller als der andere. Sie scheinen um die Wette und sie ist mitten unter ihnen. Ein pulsierender Himmel. Die Geigen elektronisch. Die Wolken aus Zucker.

Die Ewige direkt hinter ihr. Das gleiche Grinsen, ähnliche Bewegungen, dasselbe Gefühl. Fast kommen Tränen des Glücks aus ihren Augenwinkeln. Sie legt einen Arm um die Ewige und zusammen springen sie das letzte Stück von der Brücke direkt in die Unendlichkeit.

Jemand dreht sich zu ihnen um. Danke wollen sie sagen, aber die Musik ist laut. Genau richtig laut. Reden wäre sowieso überflüssig, er kann es in ihren Blicken sehen.

Eben saß sie mit der Ewigen noch zusammen in einer Ecke, haben Seifenblasen fliegen lassen. Mit großen Augen setzte sich der Unbekannte zu ihnen. Fragte, ob er auch mal darf. Eine kurze Zeit später waren sie ein strahlendes Dreigestirn in einem temporären Himmel.

Jetzt schwitzen sie um die Wette. Es gibt kein Vorne und Hinten mehr. Nur noch mitten drin. Laut und warm. Eng und doch ist da so viel Platz für mehr. „All goes wrong“, so heißt es. Aber so fühlt es sich nicht an. Aber es muss sich ja auch nicht immer so anfühlen, wie es heißt. „Just some illusion“, das trifft es besser.

Mit Augenzwinkern und einem charmanten Blick stolpern sie an die frische Luft. Der Himmel ist blau. Die Luft greift nach ihrem heißen Atem, um ihn sichtbar zu machen. Das Licht lädt ein zum Philosophieren. Zusammen im Slalom um Bierflaschen rennen. Eine Ode wird rezitiert. Kurz nach Sonnenaufgang ist alles wieder schön. Lass uns noch … und sie lassen sich fallen, mit dem Bewusstsein, dass sie alles ändern können.

 

 

Kursiv: „All goes wrong“ von NICK GALEMORE 

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